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Dresden (DK21):
1) Welche Fächer fielen Ihnen in der Schule am schwersten? Ihr Gesprächspartner spekuliert darauf, dass Sie freimütig antworten – die Schulzeit ist lange her. Doch manche Schwächen bleiben lebenslang! Ihre Abneigung gegen Ballspiele im Sportunterricht könnte zum Beispiel ein Hinweis auf mangelnde Teamfähigkeit sein. Antwortstrategie: Nennen Sie am besten ein Fach, mit dem Sie zeitweise Schwierigkeiten hatten. Und schildern Sie, wie Sie doch noch einen grünen Zweig erklommen haben. So stehen Sie als Problemlöser da – genau so einen sucht die Firma! Statt einer Schwäche haben Sie also eine Stärke genannt.
2) Welche Fortbildungen haben Sie besucht? Wenn Sie die Kurse nur so runterrattern, denkt Ihr Gesprächspartner: Offenbar ziehen Sie Seminare der Arbeit vor – und kosten Geld, statt welches zu bringen. Wenn Sie nie eine Fortbildung gemacht haben, fragt er sich: Ist Ihr Wissen auf dem neuesten Stand? Wie flexibel sind Sie? Antwortstrategie: Falls Sie oft auf Fortbildungen waren: Stellen Sie das als gängige Personalentwicklung in Ihrem alten Unternehmen dar. Und veranschaulichen Sie, wie Sie Ihr Wissen in der neuen Position einbringen könnten. Falls Sie kaum auf Fortbildungen waren: Heben Sie durch Beispiele hervor, dass Sie sich in Ihrer Freizeit autodidaktisch weitergebildet haben. Das spricht für eine hohe Motivation (und hat die Firma keinen Cent gekostet).
3) Warum haben Sie so häufig (bzw. selten) Ihren Arbeitsplatz gewechselt? Wechselmuffel stehen im Verdacht, dass sie auch sonst unflexible Menschen sind. Dabei würde der jetzige Wechsel Flexibilität erfordern. Dauerwechslern scheint es an innerer Motivation und Ausdauer zu fehlen – und der potenzielle neue Chef hat keine Lust, sie durch ständige "Bravo"-Rufe bei Laune zu halten. Antwortstrategie: Als Wechselmuffel machen Sie deutlich: Sie haben intern immer wieder neue Herausforderungen gefunden. Motto: In der Firma geblieben, aber nicht auf der Stelle getreten. Auch wollten Ihre alten Arbeitgeber Sie um keinen Preis ziehen lassen. Als Dauerwechsler unterstreichen Sie Ihre häufig bewiesene Qualität, sich blitzschnell einzuarbeiten – und erklären, weshalb diese Position für sie eine langfristige Herausforderung ist ("Hier kann ich meine Fähigkeiten ideal einbringen, zum Beispiel…").
4) Was könnte Ihr bisheriger Chef nach Meinung Ihrer Kollegen besser machen? Diese (projektive) Frage lockt Sie in einen Hinterhalt! Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Sie Ihre eigene Meinung in fremde Münder legen. Jede Kritik an Ihrem alten Chef ist für den potenziellen neuen ein Warnsignal. Denn so würden Sie, fürchtet er, auch über ihn sprechen. Antwortstrategie: Antworten Sie offensiv: "Für die Kollegen kann ich nicht sprechen. Ich präsentiere meine Verbesserungsvorschläge dem Chef offen - und er greift Sie oft dankbar auf. So habe ich neulich..." Dem neuen Chef wird dann klar: Sie flüstern nicht hinterm Rücken über Ihren Chef – sondern Sie bringen ihn konstruktiv voran. Genau davon träumt er.
5) Was wollen Sie in fünf Jahren erreicht haben? Ihr Gesprächspartner möchte hören, ob die Firma nur ein Sprungbrett für Ihren nächsten Wechsel wäre. Vielleicht wollen Sie "eine Entwicklungsabteilung leiten", aber in dieser Firma ist keine solche Position in Aussicht (oder Sie müssten dazu gar am Stuhl des Chefs sägen...). Völlige Ambitionsarmut ("Ich bin mit dem Erreichten zufrieden") spräche ebenfalls gegen Sie: Wollen Sie nur die Rente abwarten? Antwortstrategie: Falls die neue Position keine Chance auf einen Aufstieg bietet: Beschreiben Sie, wie Sie Ihr Fachwissen im Sinne der Firma perfektionieren wollen. Falls ein Aufstieg möglich scheint: Bekennen Sie, dass Sie auf mittlere Sicht mehr Verantwortung übernehmen wollen. Intelligente Gegenfrage: "Welche Aufstiegschancen können Sie mir bieten?"
6) In welchen Bereichen Ihrer Arbeit wollen Sie sich entwickeln? Verdeckte Frage: "Was sind Ihre Schwächen?" Natürlich hat die neue Firma nicht vor, als Ihr Ausbilder oder Fortbildungssponsor in Erscheinung zu treten. Sie werden angeheuert, um Probleme zu lösen – statt welche zu machen. Antwortstrategie: Nennen Sie einen Bereich Ihres Fachgebiets, der erst in Zukunft gefragt sein wird und den Sie jetzt noch gar nicht beherrschen können. So machen Sie die Not zur Tugend: Statt eine Schwäche zu entblößen, beweisen Sie Weitblick.
7) Was würde Ihre Familie zum Wechsel sagen? Vielleicht erzählen Sie stolz, Ihr Partner hätte Sie auf die Stellenanzeige aufmerksam gemacht (Fehlt Ihnen etwa die Eigenmotivation?). Oder Sie kündigen bei einem Ortswechsel an, dass Sie am Wochenende pendeln wollen (Keine Rückendeckung am neuen Ort! Womöglich zerreiben Sie sich zwischen Junggesellenhaushalt, Autobahn und Beziehungskrise. Für die Arbeit bleibt kaum Energie!). Antwortstrategie: Signalisieren Sie immer, dass Ihre Familie hinter Ihnen steht. Falls Sie alleine umziehen wollen, ist das "nur eine Lösung für den Übergang". Später können Sie Ihre Meinung immer noch ändern.
8) Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz? Die Antwort verrät, wo Sie Ihre Prioritäten sehen: Im Privatleben ("Auf meinen Sohn!") – oder im Beruf ("Auf meine letzte Beförderung!"). Ebenso spricht es Bände, ob Sie eine Einzel- oder eine Teamleistung nennen. Antwortstrategie: Nennen Sie Erfolge im Beruf – möglichst solche, die an Ihrem potenziellen neuen Arbeitsplatz ebenso erwünscht wären. Falls ausdrücklich ein Teamplayer gesucht wird, sollten Sie einen Mannschaftserfolg nennen ("Wir haben mit unserer Projektgruppe...").
9) Was sind Ihre größten Stärken/Schwächen? Vielleicht nennen Sie eine Stärke, die gar nicht zur Aufgabe passt. Was hilft es, dass Sie ein kreativer Kopf sind, wenn nur ein Verwalter gesucht wird? Wenn Ihnen aber keine Schwäche einfallen will, schließt Ihr Gesprächspartner auf Selbstüberschätzung oder Mangel an Ehrlichkeit. Antwortstrategie: Nennen Sie unbedingt eine Stärke, die zur neuen Aufgabe passt – zum Beispiel Organisationstalent, falls Sie einen Arbeitsbereich umstrukturieren sollen. Bei der Schwäche verfahren Sie umgekehrt. Was kümmert Ihren künftigen Chef mangelndes Französisch, falls die Firma nur national operiert?
10) Geht es Ihnen ums Gehalt oder um die Herausforderung? Wenn Sie das Gehalt nun kleinreden, präsentiert Ihr Gesprächspartner Ihnen bei der folgenden Verhandlung die Quittung: "Aber Sie haben doch gesagt..." Wenn Sie dagegen Dollar-Zeichen in den Augen haben, zweifelt er an Ihrer inneren Motivation. Antwortstrategie: Betonen Sie, dass beides für Sie wichtig ist: die Herausforderung und das Gehalt. Motto: Erst will ich bei der Jagd auf den Bären mein Bestes tun – dann möchte ich an seinem Fell beteiligt sein. (tö)
Quelle: sachsen-aktuell.com
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