Artikel Galerie Kommentare

Kinderbetreuung in turbulenten Zeiten

Improvisationstalent, starke Nerven und gute Netzwerke

txn-a. „Es ist ein bisschen anstrengend, aber immer noch besser als meinen gesamten Jahresurlaub zu nehmen", stellt Maren Koch fest, während sie gerade mit den Kita-Freunden ihres vierjährigen Sohnes Max Bilderbücher anschaut. Weil es in ihrer Einrichtung während des Streiks keine Notbetreuung gibt, hat sie kurzerhand gemeinsam mit anderen Eltern die Betreuung übernommen. „Im Rahmen dieses Notfallplans passen wir gemeinsam auf die Kinder auf, die weder zu Hause noch bei Oma und Opa bleiben können. Dabei wechseln sich die betroffenen Eltern ab, so dass jeder einmal dran ist".

Wohl dem, der bei der Kinderbetreuung auf ein solches Netzwerk zurückgreifen kann. Denn wohin mit den lieben Kleinen, wenn das Büro ruft, aber die Kita bestreikt wird oder die Tagesmutter mit einer heftigen Erkältung plötzlich ausfällt? Arbeitsrechtlich sind dies „wichtige Gründe", der Arbeit fernzubleiben, tun dies Eltern, ist es kein Anlass für eine Abmahnung oder gar eine Kündigung. Trotzdem: Eltern dürfen in keinem Fall einfach zu Hause bleiben, sondern müssen umgehend den Arbeitgeber informieren und sich um eine Ersatzbetreuung bemühen. Arbeitet beispielsweise nur ein Elternteil, sollte sich der Partner um das Kind kümmern. Wenn dieser nicht zur Verfügung steht, müssen die bekannten „Ersatzspieler" heran gezogen werden – Großeltern, Nachbarn oder Babysitter.

Findet sich jedoch trotz aller Anstrengung keine Betreuung, dürfen Arbeitnehmer bei einem Warnstreik oder einem anderen unvorhersehbaren Ereignis, das zum Ausfall der Betreuung führt, von der Arbeit fernbleiben ohne Lohnkürzungen befürchten zu müssen. Dies gilt aber nicht, wenn das Betreuungsproblem lange vorher angekündigt und bekannt war. Wenn die Tagesmutter in den Urlaub geht oder die Kita ihre jährliche Schließzeit hat, müssen sich Eltern um einen Ersatz kümmern. Wenn dies nicht gelingt, ist es ihnen zumutbar im Zweifel wertvolle Urlaubstage zu opfern. Wer Glück hat, arbeitet in diesen Tagen bei einem familienfreundlichen Unternehmen. Diese zeigen sich in der Regel bei Betreuungsproblemen sehr kulant und setzen auf kooperative Lösungen: z.B. die Nutzung eines vorhandenen Eltern-Kind Zimmers am Arbeitsplatz, Überstunden werden nach Absprache ab- oder Minusstunden aufgebaut bzw. das Arbeiten im Homeoffice wird genutzt.

„Unternehmen, die Konzepte zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf umsetzen und in den betrieblichen Alltag integrieren, schaffen gerade auch in turbulenten Zeiten eine vertrauensvolle und langfristige Mitarbeiterbindung", fasst Petra Timm vom Personaldienstleister Randstad zusammen und stellt weiter fest: „Wer hilft, die Betreuung des Nachwuchses und die Möglichkeit zu arbeiten, miteinander vereinbar macht, generiert einen echten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt." Und für Unternehmen lohnt sich das doppelt: Nicht nur, dass sie es in Zeiten des Fachkräftemangels leichter haben, geeignete Mitarbeiter zu finden – flexible Arbeitszeitregelungen zur Unterstützung der Familienplanung erhöhen auch die Loyalität gegenüber dem Unternehmen ganz erheblich. Angesichts des demografischen Wandels empfiehlt es sich für Unternehmen, diesen Vorteil für sich zu nutzen und auf die individuellen Bedürfnisse mit größtmöglicher Flexibilität zu reagieren.

[Bildnachweis: O. Kuzmina/Fotolia

 

 
Autor:
Claas Appold
 
› von Claas Appold • 22.06.2015 • 562x gelesen

Möchten Sie auch einen Eintrag veröffentlichen? Klicken Sie hier um sich kostenlos zu registrieren.

Mit gutem Beispiel voran gehen

› von Claas Appold • Flensburg • 13.04.2016

txn-a. Karriere und Kind schließen sich längst nicht mehr aus. Denn Kinder von berufstätigen Müttern haben im Durchschnitt bessere Schulnoten und eine höhere Leistungsmotivation.Kind und Karriere txn- a. Der Spagat zwischen Familie und Beruf ist für viele Frauen in Deutschland noch immer eine Herausforderung: Eine Mutter, die ihren Job aufgibt, um als Hausfrau voll und ganz für ihr Kind da zu sein, wird schnell als...

851x gelesen • keine Kommentare

weiter ›

Elterngeld nicht verschenken

› von Claas Appold • Flensburg • 16.03.2016

txn-a. Mehr Elterngeld dank richtiger Steuerklasse: Verheiratete Frauen, die ein Kind planen, sollten über das Faktorverfahren Bescheid wissen, denn es lohnt sich.Richtige Steuerklasse für junge Mütter txn- a. Eine parlamentarische Anfrage der Grünen- Fraktion an die Regierung hat gezeigt: Die Wahl der Steuerklasse V hat negative Auswirkungen auf das Elterngeld. Wegen des Ehegattensplittings bekommen...

763x gelesen • keine Kommentare

weiter ›

Bilanz der Elternzeit

› von Claas Appold • Flensburg • 14.07.2015

txn-a. Die Akzeptanz ist gestiegen: Immer mehr Väter nehmen für die Betreuung ihrer Sprösslinge die Vorzüge von Elterngeld und Elternzeit in Anspruch.Neue Väter hat das Land txn- a. Windeln wechseln, Fläschchen zubereiten und den eigenen Tagesablauf auf das Kind anzupassen, sind für Markus Werner Selbstverständlichkeiten, seit er seine Tochter Mia in Elternzeit betreut. Dank des Bundeselterngeldes...

865x gelesen • keine Kommentare

weiter ›

Fremdsprache vor Ort lernen

› von Claas Appold • Flensburg • 03.07.2015

Fremdsprache vor Ort lernentxn- p. Das englische Eastbourne liegt direkt an der Südküste und ist für seine vielen Sonnenstunden berühmt. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass die rund hunderttausend Einwohner Eastbournes nahezu dialektfreies Englisch sprechen. Dies ist...

689x gelesen • keine Kommentare

weiter ›

Wie der Wiedereinstieg gelingt

› von Claas Appold • Flensburg • 15.06.2015

txn. Durch die Babypause kommen manche Eltern zu der Erkenntnis, dass ihr bisheriger Job nicht der richtige ist. Hier bietet Zeitarbeit beste Chancen, sich neu zu orientieren.Zeitarbeit nach der Babypause txn- a. Eltern lernen nach der Geburt eines Kindes nicht nur, fachmännisch Windeln zu wechseln und den Babybrei zu temperieren, sondern üben sich auch in nonverbaler Kommunikation und Krisenmanagement, während...

556x gelesen • keine Kommentare

weiter ›

Schulbildung trotz Behinderung

› von Claas Appold • Flensburg • 18.05.2015

Schulbildung trotz Behinderungtxn- p. Der Weg ins Erwachsenenleben ist für die meisten Jugendlichen eine echte Herausforderung. Schulabschluss, Berufswahl, Ausbildung oder Studium - so manche Entscheidung ist ein schwieriger Prozess, der Lebensweg nicht gradlinig. Jugendliche...

405x gelesen • keine Kommentare

weiter ›